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Warum Flamen sprachlich nachgeben

Warum Flamen sprachlich nachgeben


Bericht van Ralf Knippenburg -
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Flamen passen ihr Sprachverhalten häufiger an das der Niederländer an als umgekehrt. Das zeigt eine Studie des Sprachwissenschaftlers Marc Swerts von der Tilburg University. Obwohl Gesprächspartner ihr Verhalten und ihre Sprache normalerweise gegenseitig aneinander angleichen, verläuft diese Anpassung in Gesprächen zwischen Nederlanders (Niederländern) und Vlamingen (Flamen) auffallend asymmetrisch.

Beispiele

Swerts untersuchte dieses Phänomen in Experimenten, in denen niederländische und flämische Teilnehmer gemeinsam eine sprachliche Aufgabe bearbeiteten. Dabei zeigte sich, dass Flamen ihre Wortwahl und Aussprache deutlich häufiger an die niederländische Variante anpassten. Niederländer hingegen behielten ihre sprachlichen Gewohnheiten weitgehend bei. So wechselten flämische Sprecher beispielsweise von zetel zu bank (Couch), von microgolfoven zu magnetron (Mikrowelle) oder von pot nach pan (sowohl Topf als auch Pfanne), während Niederländer kaum zur flämischen Variante griffen. Ein Online-Beispiel für dieses Phänomen findet sich auf der Website von HelloFresh, einem Kochboxen-Anbieter.

Warum die Flamen sich anpassen

Eine Erklärung dafür sieht Swerts im unterschiedlichen Status der Standardsprache. In den Niederlanden entspricht die Standardsprache für viele Sprecher weitgehend ihrer moedertaal (Muttersprache). In Flandern hingegen wachsen viele Menschen mit einem dialect (Dialekt) auf und erwerben das Standardniederländische erst später, meist in formellen Kontexten. Dadurch entwickeln sie ein stärkeres Bewusstsein für sprachliche Normen und empfinden häufiger Unsicherheit in Bezug auf ihre eigene Sprachvariante.

Prestige

Der Soziolinguist Stef Grondelaers verweist zusätzlich auf die Rolle des Prestiges. Das nordniederländische Standardniederländisch gilt für viele Flamen als korrekt und prestigeträchtig, während flämische Varianten – auch in den Niederlanden – oft geringer bewertet werden. Diese Ungleichheit führt dazu, dass Flamen ihr Sprachverhalten anpassen, um Ablehnung zu vermeiden, während Niederländer kaum Anlass sehen, sich umzustellen.

Rolle der Vergangenheit

Auch die Sprachgeschichte spielt eine wichtige Rolle. Da sich die Standardsprache in Vlaanderen (Flandern) erst spät und unter starkem äußeren Einfluss entwickelte, blieb sprachliche Unsicherheit bestehen. Diese verstärkt sich im Kontakt mit Niederländern und erklärt die asymmetrische sprachliche Anpassung.

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